Nachdem das vom Stadtgründer Graf Friedrich III. 1648 erbaute erste Neuwieder Schloss den pfälzischen Erbfolgekriegen zum Opfer fiel, begann 1707 nach Plänen von Julius Ludwig Rothweil der Bau eines neuen Residenzschlosses. Nach Fertigstellung des Hauptgebäudes entstand 1715 in Verlängerung der Schloss-Achse und parallel zum Rhein die symmetrische Anlage eines barocken Schlossgartens, durch einen Damm vor Hochwasser geschützt. Gegliedert nach französischem Muster mit rechteckigen Zierbeeten, mit Bosketts und Wegesternen wurde der Park unter Graf Johann Friedrich Alexander ausgebaut. Springbrunnenbassin, Grotten, Voliere und eine Fasanerie schmückten ebenfalls die Anlage.
Während der Residenz von Fürst Friedrich Carl (1791-1802) erfuhr sie unter anderem durch Überformung der barocken Symmetrie starke Veränderungen und wurde 1810 von Fürst Johann August nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten umgestaltet. Später kamen exotische Pflanzen, die überwiegend von den Amerika-Reisen des Prinzen Maximilian zu Wied stammen dürften, hinzu. Der Park kann daher als Arboretum (Gehölzsammlung) bezeichnet werden. Weitere Veränderungen ab 1870 standen unter dem Einfluss des bekannten Park-Gestalters Fürst Hermann von Pückler-Muskau.
Der etwa 21 Hektar große Neuwieder Schlosspark befindet sich nach wie vor im Eigentum des Fürsten zu Wied, wobei ein sechs Hektar großer Teil privat genutzt wird. Der größere Teil ist öffentlich zugänglich. Der Schlosspark, nahe zur City und direkt am Rhein, wird zurzeit als Naherholungs-, Spiel- und Freizeitgelände weiterentwickelt, ohne die historische Bedeutung zu verlieren. Botanische Raritäten gibt es zahlreiche, zum Beispiel weißrandige Blutbuche, persischer Flieder, Kornelkirsche, Bluthasel, Urwelt-Mammutbaum, Weymouthskiefer, gelbblühende Kastanie, Stieleiche, orientalische Platane und Silberahorn.
Infos:
Tourist-Information Neuwied, Luisenplatz, Tel. 02631/802-5555
Öffnungszeiten:
Durchgehend geöffnet, Führungen nach Absprache mit der Tourist-Information
Weitere Pflege und die Pläne für die BUGA abgestimmt
Die Veränderung ist deutlich: Der Neuwieder Schlosspark hat wieder mehr von jenem früheren Charakter eines englischen Gartens. Davon überzeugten sich Vertreter des städtischen Immobilien-Managements, des Naturschutzes der Kreisverwaltung und der Fürstlich Wiedischen Verwaltung. Einmal jährlich treffen sie sich vor Ort, um den Stand der gärtnerischen Arbeiten zu begutachten und weitere Pflegemaßnahmen zu vereinbaren.
Im Beisein von Carl Fürst zu Wied und Bürgermeister Reiner Kilgen besichtigte die Gruppe unter anderem die durchforsteten Gehölze, das Rheinufer und die Spielstandorte und Fußwege im hinteren Teil des Parks. Dabei wurde betont, dass die Gestaltung im Stile englischer Gärten im Einklang mit den Interessen des Naturschutzes erfolge.
Bei dem Ortstermin ging es darüber hinaus auch um die Fortsetzung der Pflegemaßnahmen wie die intensive und extensive Wiesenmahd, das Freistellen einer imposanten Eiche neben dem Mammutbaum und verschiedene Freischnittarbeiten. Ein wichtiger Aspekt, um Schädigungen einzudämmen, war in dem Zusammenhang das künftige Entfernen des Laubes der Kastanien, die von der „Miniermotte“ befallen sind.
Armin Bärz, Thomas Heidenblut und Horst Bäcker vom Amt für Immobilienmanagement stellten Hans-Peter Job (Naturschutz) und Gerd Schneider (Fürstlich Wiedische Verwaltung) auch die im Schlosspark geplanten Maßnahmen zur Bundesgartenschau (BUGA) 2011 in Koblenz vor: So sollen im Rahmen der Spielleitplanung Geräte wie ein Leuchtturm, eine Spielboje, Kleinfeld-Tore und ein Volleyballfeld errichtet werden. Außerdem ist vorgesehen, den Park durch verschiedene Bäume und Sträucher, steinerne Bankanlagen, Rosen- und Stauden und einer „Brasilien-Ecke“ mit Pflanzen aus dem südamerikanischen Land zu bereichern.
Zum Foto:
Trafen sich im Schlosspark (v.l.n.r.): Carl Fürst zu Wied, Bürgermeister Reiner Kilgen, Hans-Peter Job, Thomas Heidenblut, Armin Bärz, Horst Bäcker und Gerd Schneider. Foto: Kirstin Lück