„Sehr vergnügliche Reise zum guten Buch“
Neuwieder StadtBibliothek blickt auf 70-jähriges Bestehen
Eingepackt in schützendes Papier sollten die Bücher ausgehändigt werden. Gleiches galt für die Rückgabe am Ende der dreiwöchigen Leihfrist. Zwar ist ein derart schonender Umgang nach wie vor wünschenswert, verpackt werden können Bücher, Zeitschriften und andere Medien heute aber leider nicht mehr. Wäre auch kaum möglich angesichts einer jährlichen Ausleihe von weit über 200.000. Jenes Einpack-Gebot stammt aus den Anfängen der städtischen Bücherei in Neuwied. Genauer gesagt aus dem Jahr 1936, als die „Volksbücherei“ am 14. Februar mit einem Festakt im Heimathaus feierlich eröffnet wurde.
Die heutige Neuwieder StadtBibliothek kann demnach auf ihr 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Und da bietet sich eine kleine Exkursion in die Historie natürlich an. „Zur Belebung des geistigen Lebens in unserer Stadt“ sollte die Volksbücherei beitragen, hieß es in jener Gründerzeit.
Dazu standen etwa 2.500 Bände in den Regalen. 10 Pfennig betrug die Leihgebühr pro Buch, Kinder und Jugendliche zahlten die Hälfte. Die „Reise zum guten Buch“ erschien in der Städtischen Volksbücherei also „billig und sehr vergnüglich“, wie die lokale Zeitung es umschrieb.
Untergebracht war die Bücherei in zwei Räumen - einem Vorraum und einem so genannten Magazinraum - des einstigen Gymnasiums an der Ecke Marktstraße/Engerser Straße. Und damit gar nicht so weit entfernt von ihrem heutigen Domizil im Historischen Rathaus in der Pfarrstraße.
In besagtem Vorraum lagen auf mehreren runden Tischen die mit Maschine geschriebenen Kataloge aus. Hatte man darin das gewünschte Buch gefunden, ging man an eine Art Ausgabeschalter, an dem Schulrektor Dreibholz ehrenamtlich wirkte. An der Wand prangte - ganz im Stil der damaligen Buchwerbung durch die Nationalsozialisten - das markige Schlagwort „Das Buch - ein Schwert des Geistes“.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam für die Stadtbücherei das Aus. Zum Glück nur vorläufig. Denn 1956 - und somit vor runden 50 Jahren, was übrigens ein weiteres Jubiläum darstellt - konnte wieder Eröffnung gefeiert werden. Diesmal in der Hermannstraße als reine Kinder- und Jugendbücherei mit 1.400 Bänden. 1968 kam die Erwachsenen-Abteilung hinzu. Im Laufe der Zeit erwies sich dann das Raumangebot an dem Standort in der Hermannstraße als zu klein - und der Umzug ins frisch renovierte Historische Rathaus in der Pfarrstraße Ende der 90-er Jahre als Glücksfall: ein reizvolles Ambiente mit zeitgemäßer Ausstattung, das nicht zuletzt eine der Ursachen für die ständig steigenden Ausleihzahlen sein dürfte.
„Es ist im Grunde eine Erfolgsbilanz, auf die Barbara Lippok als Leiterin und jeder Einzelne in dem Team stolz sein können“, zieht der zuständige Dezernent, Beigeordneter Jürgen Moritz, ein Fazit der Jahre seit dem Umzug in das neue Haus und lobt dabei die große Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Immerhin wurde allein im abgelaufenen Jahr die Zahl der Entleihungen in der Bibliothek, die mittlerweile natürlich auch Hörbücher und DVD im Angebot hat, um 22 Prozent gesteigert. Was den Beigeordneten in dem Zusammenhang besonders freut: Nach Kinder- und Jugendbüchern wurde 66.000 Mal gegriffen. Dies entspricht einer Steigerung von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Mit Blick auf die Diskussionen über den Bildungsstand unserer jüngeren Generation ist dies für mich die wichtigste Zahl“, betont Jürgen Moritz.
Unterdessen leistet die Neuwieder StadtBibliothek aber auch einen Beitrag zur Integration. Denn die Zahl der Leserinnen und Leser ausländischer Herkunft im täglichen Besucherstrom steigt. Beigeordneter Moritz: „Hier wird deutlich, dass unsere Bibliothek nicht mehr nur eine wichtige Aufgabe als Bildungseinrichtung hat, sondern längst auch eine gesellschaftspolitisch bedeutende Funktion wahrnimmt, indem sie ausländischen Mitbürgern unter anderem die Möglichkeit eröffnet, sich mit Sprache, Kultur und Geschichte ihrer neuen Heimat zu befassen.“














