27.06.2007 12:17 Alter: 13 yrs

Der "Gelbe Fingerhut" kam mit der Bahn

Teil V unserer Serie "Raritäten in der Neuwieder Natur" Schon immer haben Verkehrs- und Handelswege zur Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten beigetragen. Mit der Erschließung unseres Landes durch die Eisenbahn wurde dieser Prozess im 19. Jahrhundert noch beschleunigt. Denn die Waggons oder auch ihre Fracht transportieren so manchen Samen über weite Distanzen.

Digitalis Lutea

Besonders stillgelegte Bahnhöfe aber auch Bahndämme sind daher oft ein "El Dorado" für den botanisch Interessierten. Man findet hier häufig Pflanzen, die an dieser Stelle früher unbekannt waren. So auch beim Spaziergang entlang der Verkehrswege in Neuwied.

Jürgen Moritz, Autor unserer Serie über Raritäten in der Neuwieder Natur, entdeckte nahe der Bahnlinie mehrere Exemplare einer solchen seltenen Art, die zwar zur Flora unseres Landes gehört, im Stadtgebiet von Neuwied aber fremd ist: den "Kleinblütigen Gelben Fingerhut", einen geschützten Verwandten des auch bei uns vorkommenden "Roten Fingerhuts". Letzteren kennen wir beispielsweise als typische Pflanze auf  Waldlichtungen oder als Zuchtform in vielen Gärten. Wobei die meist purpurfarbenen Blüten besonders gerne von Nektar und Pollen sammelnden Hummeln aufgesucht werden.

Vielleicht hat ein Eisenbahnwaggon den Samen von "Digitalis lutea", so der botanische Name der Wildstaude, zu uns transportiert, der dann an seinem jetzigen Standort günstige Bedingungen vorfand. Und wenn es der Pflanze dort gefällt, blühen vielleicht in Zukunft noch mehr Exemplare. Und unsere heimische Flora wäre um eine Art reicher.

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Der Samen wurde vermutlich mit der Eisenbahn nach Neuwied transportiert: der "Kleinblütige Gelbe Fingerhut".