05.05.2008 07:57 Alter: 12 yrs

"Ballistiker", die im Regen fliegen

Von: Pressebüro Neuwied

Raritäten in der Neuwied Natur: die Traubenhyazinthe   Nun sieht man sie wieder, die kleinen blauen Blütentupfer in unseren Gärten, in Parks, Grünanlagen oder an Wegrainen. Die Rede ist von den zierlichen Trauben- oder Perlhyazinthen, auch Träubchen oder botanisch "Muscari" genannt. Schon im zeitigen Frühjahr strecken sie ihre zierlichen Blütenstände mit den zahlreichen Einzelblüten in den Himmel.

Wachsen am Neuwieder Rheinufer: Traubenhyazinthen.

Die seltener Art: die Schopfige Traubenhyazinthe

Bei dieser Pflanze, mit der sich Autor Jürgen Moritz im Rahmen seiner Serie über "Raritäten in der Neuwieder Natur" befasst, handelt es sich um eine aus Kleinasien stammende Form der Traubenhyazinthe, um "Muscari armeniacum", die in Gartenfachmärkten oder gar im Supermarkt angeboten wird und im Laufe der Jahre ihren Weg aus den Hausgärten in die freie Natur gefunden hat. Dabei kennen wir in unserer Region auch zwei "wilde" und geschützte Arten der kleinen Blütenpflänzchen: die Kleine Traubenhyazinthe, im Süden unseres Heimatlandes auch "Bauernbüble" genannt, und das Weinbergsträubel.

So ganz wild sind sie jedoch auch nicht, denn sie dürfen ebenfalls vor einigen Jahrhunderten den Weg als Zierpflanzen aus ihren angestammten Heimatregionen im Süden Europas nach Mitteleuropa gefunden haben. Die Kleine Traubenhyazinthe, früher auch "Bisamhyazinthe" genannt, lässt sich gut von ihrer horstartig wachsenden Verwandten unterscheiden, da sie eher einzeln anzutreffen ist. Sie verbreitet sich mit Hilfe des Windes oder durch Regentropfen, die dafür sorgen, dass ihre reifen Samen aus den zierlichen Blüten herausgeschleudert werden. Deshalb bezeichnet man sie auch als "Regenballisten".

Nach Wilhelm Neinhaus, einem Neuwieder Botaniker des 19. Jahrhunderts, soll sie früher besonders auf den "Wiedwiesen in der Nähe von Heddesdorf" zu finden gewesen sein. Heute findet man sie zum Beispiel am Rheinufer, wo auch der Autor unserer Serie, Jürgen Moritz, sie angetroffen hat. Seltener als die vorgenannten Arten ist in Rheinland-Pfalz die Schopfige Traubenhyazinthe anzutreffen, deren Vorkommen sich hauptsächlich auf Weinbaugebiete beschränkt.