Gerade Irlich mußte im Laufe seiner mehr als 1000-jährigen Geschichte wiederholt hinnehmen, dass es aus eines Herren Hand in die andere kam, ja, dass mehrere Herren zugleich sich seinen Besitz teilten oder darum stritten. So war es schon im hohen Mittelalter, als Erzbischof Poppo von Trier sein Gut "Irlocha" (Erlenloh = Erlenhain?) Kaiser Heinrich II. vermachte, der es wiederum am 11. November 1022 mit Land und Leuten an das Bamberger Domstift weiterverschenkte. Aber Bamberg war fern, und Sayn war nah, also erhielten die Sayner Grafen Irlich als Vogtei und kassierten für diese Schutzherrschaft vom Bamberger Bischof einen Teil der Irlicher Gutseinkünfte und -rechte.

Nah waren aber auch die Burggrafen der Reichsfeste Hammerstein, die auf das Meieramt pochten, d. h. die Verwaltung des Irlicher Gutes. Bamberg bestellte die Hammersteiner zu Pächtern des Irlicher Gutes und verkauften es nach deren Aussterben schließlich 1422 dem Erzstift Trier. Nah waren auch die Grafen zu Wied, die als Nachfolger der Engersgaugrafen auch die Hoheit über Irlich forderten. Sieger blieb am Ende der Stärkste, und das war Kurtrier, als es 1606 und endgültig 1652 von Sayn die Vogtei übernahm und von nun an die Landeshoheit über Irlich behauptete. Wied aber gab seinen Anspruch auf Irlich niemals auf.

Fürstlich-Wiedische Standesherrschaft

Der Rechtsstreit wurde erst 1822, als die Territorien Kurtrier und Wied längst nicht mehr existierten, von Preußen dahingehend entschieden, daß man Irlich einerseits in die Bürgermeisterei Heddesdorf des Kreises Neuwied und kurz darauf in die Fürstlich-Wiedische Standesherrschaft eingliederte, wofür sich der Fürst zu Wied verpflichten mußte, den unter Trierer Herrschaft katholisch gebliebenen Irlichern als Ersatz für ihre alte Kapelle eine neue Kirche zu bauen. Das geschah 1835, während die alte St.-Georgs-Kapelle, deren Entstehung in die Zeit des Besitzes des Bamberger St. Georgs-Domstiftes zurückging, erst 1894 abgerissen wurde. Nach dieser Kapelle wurde auch die St.-Georgs-Straße und 1960 die St. Georg-Schule benannt - heute noch an die Bamberger Tradition erinnernd, die mit der Urkunde von 1022 begann. Auch das Irlicher Ortswappen mit den drei Hämmern und dem Löwen, einem mittelalterlichen Schöffensiegel nachgebildet, gemahnt an die einstigen Herrenrechte derer von Hammerstein und von Sayn.

Freiwillige Eingliederung

1969 wurde Irlich in die Stadt Neuwied eingegliedert - mit einem feierlichen Zeremoniell: Am 7. Juni 1969 trafen sich die Bürgermeister und Räte von hüben und drüben an der alten Gemeindegrenze bei der Wiedbrücke und übergaben unter wehenden Fahnen mit Darbietung von Wappen und Flaggen die Vereinigungsurkunde - eine Huldigungsgeste vor der Selbstaufgabe einer uralten Gemeinde - nach freiwilligem Beschluss von Rat und Bürgerschaft zum Besten einer größeren Gemeinschaft.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde in der Zeit von 1832 bis 1835 im klassizistischen Stil erbaut. 1914/1915 erhielt sie ihren heutigen Glockenturm. Sie ist die Nachfolgekirche der um 1200 errichteten St.- Georgs-Kapelle. In den Jahren 2003 bis 2006 wurde das heutige Gotteshaus einschließlich des Turmes umfassend renoviert und restauriert.

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