Wo der Aubach die Waldberge der Stadtrandzone verläßt, liegt der Stadtteil Oberbieber, heute durch die fortgeschrittene Bebauung schon locker mit Niederbieber verbunden. Abgesehen von der frühen Erwähnung des Aubaches unter der Bezeichnung "biuira" = Biberbach in einer Rengsdorfer Urkunde von 857 erscheint derselbe Ausdruck als Ortsname erstmals in einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II. vom 10. August 1021 für das Frauenstift Dietkirchen zu Bonn. Das Gut samt Kapelle tauschte Dietkirchen 1315 an die Abtei Rommersdorf gegen deren Gut in Oberwinter. Doch Rommersdorf konnte sich in Oberbieber nicht gegen die Isenburger von der Burg Braunsberg durchsetzen, die hier das Vogteirecht behaupteten. 1340 kam Oberbieber durch Wilhelm von Isenburg, den neuen Grafen zu Wied, unter wiedische Landesherrschaft und spätestens um 1490 zum Kirchspielgericht Niederbieber. Schließlich überließ Rommersdorf seine Kirche zu Oberbieber im Tausch gegen die Kircheneinkünfte zu St. Sebastian-Engers dem Grafen zu Wied. Doch erst seit 1646 wurden in der Oberbieberer Kirche evangelische Gottesdienste abgehalten. 1796 wurde Oberbieber in die Pfarrei Niederbieber eingegliedert, erst 1907 wurde es selbständige Pfarrei.

Weinbau und Handwerk

Drei Jahrmärkte wurden in Oberbieber abgehalten, der Überlieferung nach unter den alten Eichen auf dem Hermesplatz an der Straße nach Rengsdorf. 1662 verlegte Graf Friedrich die Märkte jedoch in seine neue Residenz Neuwied.

Neben Töpferei und Lohgerberei spielte auch Weinbau in Oberbieber eine große Rolle. Die Weinberge waren größtenteils in gräflichem Besitz. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es Rebenbestand auf dem Wingertsberg. Dank der Wasserkraft des Aubachs hatte Oberbieber noch einen weiteren Vorzug: seine zahlreichen Mühlen ober- und unterhalb des Ortes, die mit ihrer unterschiedlichen Produktion seit dem 19. Jahrhundert Oberbieber zu einem gewissen industriellen Ansehen verhalfen und zum Teil in unserer Zeit zur Ansiedlung von Werken, Errichtung von Wohnhäusern oder auch zur Anlegung von Sport- und Freizeiteinrichtungen führten.

Dank seiner landschaftlich reizvollen Lage ist Oberbieber auch seit Längerem für den Fremdenverkehr interessant. Freibad (erbaut 1928) und Campingplatz, Reitsportzentrum und Aubachstausee, Wildgehege und Waldwanderwege machen Oberbieber zum Ausgangspunkt eines gern besuchten Naherholungsgebietes.

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