Berufsverkehr ist oft nicht sonderlich spaßig. Wenn dann auch noch eine Baustelle dazukommt, kann das erst recht für Frust sorgen. Aufgrund der Sperrung der La-Porte-Unterführung ist die Situation in Neuwied gerade angespannt. Deshalb prüft die Stadtverwaltung Neuwied, wie sich der Verkehrsfluss verbessern lässt. Die gute Nachricht: Die Linksabbiegerspur aus der Andernacher Straße kommend wird zweispurig. Dazu wird in den Herbstferien die Kreuzung am Sonntag, 18. Oktober, entsprechend angepasst. Vorausgesetzt, das Wetter lässt die Markierungsarbeiten dann zu.
Nach dem Wegfallen der nördlichen Stadtzufahrt an der La-Porte-Kreuzung staut es sich selbstredend zurzeit mehr an der Kreuzung B42/Berggärtenstraße und Andernacher Straße. Damit der Verkehr aus der Andernacher Straße schneller abfließen kann, kommt jetzt eine zweite Linksabbiegerspur. Nach sorgfältigem Abwägen haben die verwaltungsinternen Stellen, die Polizei und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) ihr Einverständnis gegeben.
Auch wenn die Lösung scheinbar einfach ist: Die Einfädelspur auf der B42 ist bereits vorhanden. Eine zusätzliche Spur auf der Andernacher Straße ebenfalls. Aber eine Herausforderung bei der Entscheidungsfindung war die Kurve selbst. „Jeder, der dort schon mal abgebogen ist, weiß, wie eng die Kurve eigentlich ist. Wenn ich nur eine Spur habe, ist es nicht allzu tragisch, sollte ich leicht beim Abbiegen ausscheren. Fährt dort jetzt allerdings ein weiteres Fahrzeug, besteht natürlich eine höhere Kollisionsgefahr“, erklärt Manfred Reitz, Leiter der Straßen- und Tiefbauabteilung, und ergänzt nonchalant: „Also bitte besonders vorsichtig fahren!“
Was genau bedeutet die Neuerung jetzt für Verkehrsteilnehmende?
Wer auf die B42 Richtung Irlich/Feldkirchen auffahren möchte, dem steht künftig also eine weitere Spur zur Verfügung. Auf der B42 heißt es dann nach 70 Metern Reißverschlussverfahren nutzen. Verkehrsteilnehmende, die dagegen geradeaus nach Niederbieber fahren möchten oder auch nach rechts auf die Berggärtenstraße abbiegen wollen, haben vorerst nur noch eine Spur dafür.
Für die Anpassung müssen natürlich neue Markierungen her und auch die Schilder werden entsprechend angepasst. Das geht nicht ohne Einschränkungen. „Um die Verkehrssituation möglichst wenig noch weiter zu verschärfen, lassen wir die Arbeiten an einem Sonntag in den Herbstferien durchführen“, führt der Abteilungsleiter aus.
Und dann wären ja noch die Ampeln…
Bleibt die Frage, ob auch die Schaltung der Lichtanlage verbessert werden kann. Aktuell passen sich je nach Verkehrsaufkommen die Grünphasen der Ampeln bereits intelligent eigenständig an. Seit der Sperrung der La-Porte-Unterführung zeigt die Auswertung der Daten: Sowohl die B42/Berggärtenstraße geradeaus als auch die Linksabbieger von der Andernacher Straße in Richtung Irlich werden bevorzugt. Die Grünphasen sind also bereits so lange, wie das System es erlaubt.
Aber da muss doch noch mehr gehen, oder? „Schwierig“, weiß Reitz. Denn so eine Ampel steht immer in Wechselwirkung mit den umliegenden Lichtanlagen. „Wir können sie also nicht isoliert betrachten, sondern müssen immer auch die Auswirkungen auf die umliegenden Kreuzungen im Blick haben“, so der Abteilungsleiter und sagt weiter: „Dennoch haben wir gemeinsam mit dem Dienstleister, der für die Lichtsignalanlagen verantwortlich ist, verschiedene Szenarien durchgespielt.“
Intelligente Schaltung aus, dafür dauerhaft die beiden am stärksten frequentierten Verkehrsströme priorisieren. Die Umlaufzeit – also die Zeit, die benötigt wird, damit alle Richtungen mal Grün hatten – erhöhen. Die Grünphasen für Fußgänger komplett rausnehmen. Das Ergebnis ist allerdings bisher ernüchternd: „Entweder es bringt keine Entlastung oder der Stau verlagert sich nur“, resümiert Reitz.
Warum hat die Verwaltung nicht eher reagiert?
Als Entscheidungsgrundlage für Anpassungen, die den Verkehrsfluss verbessern sollen, braucht es verlässliche Daten. Diese Daten gibt es aber erst, wenn der Verkehr tatsächlich der Umleitung folgen muss und die Auswirkungen der Sperrung zu sehen sind. Denn: Ampelanlagen sind komplex. „Mal grad hier bisschen länger, da bisschen kürzer die Grünphase – das lässt sich leicht sagen. Verändern wir etwas, kann sich das allerdings auch immer negativ auf den Verkehrsfluss auswirken, und im schlimmsten Fall geht gar nichts mehr“, erläutert der Straßen- und Tiefbauabteilungsleiter.
Und ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der ganzen Sache bleibt: Bereits vor der Sperrung der La-Porte-Unterführung war die Kreuzung an der Kirmeswiese an ihren Kapazitätsgrenzen. „Wir haben uns intensive Gedanken gemacht, was sich trotzdem aus der Kreuzung rausholen lässt, damit der Verkehr besser fließt. Viel mehr als die zweite Linksabbiegerspur lässt sich leider nicht machen“, fasst Reitz zusammen.