Hauptregion der Seite anspringen Hauptnavigation der Seite anspringen

Stadt Neuwied:Naturnahe Gartengestaltung

Die Wahrzeichen der Stadt im Abendlicht: Der Pegelturm und die Rheinbrücke stehen unverkennbar für Neuwied.

Naturnahe Gartengestaltung

Tipps und Hilfen für Ihr artenreiches Gartenparadies

Wie bekomme ich mehr Arten in meinen Garten? Einfach gesagt: Mit einer naturnahen Gartengestaltung. Dabei können schon kleine Veränderungen einiges ausmachen. Wir haben Ihnen hier einige hilfreiche Tipps zusammengefasst, wie Sie die biologische Vielfalt in Ihrem Garten fördern können.

Warum sind naturnahe Gärten wichtig?

Wem nützen heimische Gewächse?

Wie wird mein Garten naturnah?

Wie kann ich Tieren im Garten helfen?

Jede Pflanzenart und unterschiedliche biodiversitätsfördernde Strukturen wie Totholz, heimische Sträucher oder Wiesen bieten Futter, Schutz und Lebensraum für verschiedene Tierarten. Dabei gibt es immer Generalisten, die etwas flexibler sind, und Spezialisten, die ganz bestimmte Pflanzenarten und Strukturen benötigen. Welche Tiere am Ende im Garten zu finden sind, hängt also von der Pflanzenauswahl und der Gartengestaltung ab – ein bisschen Glück braucht man jedoch auch.

Diese Artengruppen fühlen sich im Garten wohl, wenn die richtigen Strukturen vorhanden sind:

Beispielart: Zaunkönig

Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) – das Vögelchen vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Vogelarten.

Die kleinen Vögel lieben Unordnung, Dickichte jeder Art, von Brennnesseln bis zu dornigen Hecken. Denn dort findet sich Schutz, Nahrung und Nistmaterial. Als Nester bauen sie kugelige, geschlossene Mooshöhlen, in denen sich beide Elternteile um den Nachwuchs kümmern. Gesungen wird mit aufgerichteten Schwanzfedern. Sie fressen Insekten und Spinnen jeglicher Art und im Winter auch Sämereien von Blumen und Sträuchern.

► Hilfreiche Bausteine: 

Reisighaufen, Sträucher und Hecken, Naturecke

Beispielart: Mai-Langhornbiene

Der  Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) – die Biene vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Bienenarten. 

Sie sammeln Nektar ausschließlich an Schmetterlingsblütlern und am liebsten an der kletternden Zaunwicke. Ab Mitte April patrouillieren die Männchen vor den Blüten hin und her (auf durch Duftmarken festgelegten Flugbahnen) und warten auf die Weibchen. Ihre Nester bauen sie im Boden von vegetationsfreien oder nur spärlich bewachsenen Flächen.

► Hilfreiche Bausteine: 

Vertikale Begrünung, offene Böden, Wildstaudenbeet, Wildblumenwiese

Beispielart: Tagpfauenauge

Der Tagpfauenauge (Aglais io) – der Schmetterling mit Raupe vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Schmetterlingsarten. 

Die erwachsenen Falter sind bei der Blütensuche wenig wählerisch, im Sommer bevorzugen sie vor allem rote und blauviolette Blüten und auch mal Obst. Die Raupen sind dagegen hoch spezialisiert und fressen fast ausschließlich Brennnesseln (wie auch die Raupen von Kleinem Fuchs, Admiral und Landkärtchen). Bei dieser Art überwintern übrigens nicht Ei oder Puppe, sondern die Falter selbst: Sie verstecken sich unter Baumrinde, in feuchten Reisighaufen oder Kellern.

► Hilfreiche Bausteine: 

Naturecke, Reisighaufen, Wildblumenwiese, Wildstaudenbeet

Beispielart: Grüner Scheinbockkäfer

Der Grüne Scheinbockkäfer (Oedemera nobilis) – der Käfer vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Käferarten. 

Diese futuristisch aussehenden Käfer ernähren sich von Pollen. Ihre Eier legen sie in trockene, aufrechtstehende Pflanzenstängel von z. B. Königskerze oder Sonnenblume. Die Larven wachsen dort über den Sommer und verpuppen sich im Herbst. Obwohl die Käfer dann schon fast fertig entwickelt sind, überwintern sie dort, um erst im nächsten Frühjahr zu schlüpfen.

► Hilfreiche Bausteine: 

Markhaltige Stängel, Wildblumenwiese, Wildstaudenbeet, Naturecke, natürliche Nisthilfen

Beispielarten: Igel & Erdkröte

Der Igel (Erinaceus europaeus) und die Erdkröte (Bufo bufo) – die beiden Tiere vom Icon – sind nur zwei Beispiel von diversen heimischen Kleinsäugern, Reptilien und Amphibien. 

Das ideale Winterquartier für Igel besteht aus einem Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub. Schutz finden sie auch unter dichten Hecken (nicht darunter mähen!) oder Steinhaufen. Nachts gehen sie auf Streifzug und fressen dabei Insekten, Regenwürmer, Spinnen und Schnecken. Sie verschlafen den Winter ab Mitte November bis März oder April. 

Auch die Erdkröte findet Unterschlupf und Schutz in Totholz- oder Steinhaufen. Den Winter verbringt sie in feuchten Erdhöhlen oder unter Kompost- und Laubhaufen in Winterstarre. Sie ist eine unserer größten Amphibienarten. Im März wandert sie zu ihren Laichgewässern. Im Garten fressen die Tiere im Schutz der Dunkelheit Nacktschnecken und andere Kleintiere.

► Hilfreiche Bausteine: 

Reisighaufen, Teich, Sträucher & Hecken, Naturecke

Beispielart: Blaugrüne Mosaikjungfer

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) – die Libelle vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Libellenarten. 

Die rund acht Zentimeter langen Libellen können bis zu 50 km/h schnell und sogar rückwärts fliegen. Sie legen ihre Eier auch in kleine stehende Gewässer wie Teich oder Regentonne. Sie sind Flugjäger und erbeuten Mücken, Fliegen, und andere Fluginsekten. Die Larven jagen im Wasser Kleinstlebewesen, aber auch Kaulquappen und kleine Fische.

► Hilfreiche Bausteine: 

(Mini-)Teich

Beispielart: Breitflügelfledermaus

Die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) – die Feldermaus vom Icon – ist nur ein Beispiel von diversen heimischen Fledermausarten. 

Alle der 25 in Deutschland lebenden Fledermausarten stehen auf der Roten Liste und sind teils akut vom Aussterben bedroht. Fledermäuse brauchen ein Jagdrevier, ein Sommerquartier und ein Winterquartier zum Überwintern. Breitfügelfledermäuse leben gerne im Siedlungsbereich und halten sich auch mal im Dachfirst oder Dachboden auf. Mit ihren rund 36 cm Spannweite sind sie recht groß und im Gegenteil zu anderen Arten eher langsam unterwegs. Dafür können sie in einer Nacht bis zu 4000 Insekten verspeisen. Wer Pflanzen sät, welche Nachtfalter anziehen (z. B. Leimkraut, Seifenkraut,
Wegwarte), oder einen insektenreichen Teich hat, verschafft Fledermäusen fette Beute.

► Hilfreiche Bausteine: 

Insektenreicher Teich, Wildblumenwiese oder Wildstaudenbeet mit Nachtfalter-anziehenden Pflanzen

Wildpflanzen für den Garten

Mit Ihrem Garten können Sie einen wertvollen Beitrag leisten, um die Artenvielfalt zu schützen. Denn viele Insektenarten haben sich auf bestimmte Wildpflanzen im Laufe ihrer Evolution spezialisiert. Allerdings werden diese Wildpflanzen und damit auch Tiere in der heutigen oft monotonen und strukturarmen Agrarlandschaft immer seltener. Und auch in den privaten Gärten sind sie rar geworden. 

Wer heimische Wildstauden, Sträucher und Bäume im eigenen Garten anpflanzt, bietet Nahrung und Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere. Und das Beste: Es gibt nicht nur für jeden Standort – egal ob nährstoffreich, trocken oder feucht – etwas Passendes, die Wildpflanzen sind auch schön anzusehen. 

Doch welche Pflanzen eignen sich nun für Ihren Garten? Klicken Sie sich einfach durch die Pflanzensteckbriefe und entdecken Sie eine Auswahl an möglichen Pflanzen für Ihren Garten. 

Gestaltungsmöglichkeiten für einen naturnahen Garten

In Ihrem Garten lassen sich mit heimischen Pflanzenarten hervorragend Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Denn diese bieten nicht nur Nahrung für Vögel und Insekten. Auch Kleinstrukturen wie Hecken und Reisighaufen sind wichtig als Lebensraum für Tiere. Wer zudem auf Pestizide und torfhaltige Erde verzichtet, hat schon einen wichtigen Schritt zu mehr Artenvielfalt getan. 

Das Gute: Dabei muss ein Garten kein perfekter Naturgarten sein – es gibt viele kleine und große Dinge, mit denen Sie der Natur im Garten helfen können.

Hier finden Sie verschiedenen Anleitungen zu diversen Gestaltungsmöglichkeiten: Ob Sie einen großen oder einen kleinen Garten haben, viel Zeit für Gartenpflege oder nur wenig: Einer der Bausteine für mehr Artenvielfalt passt bestimmt!

Blumenwiesen-/rasen

Echte Blumenwiesen bestehen aus mehrjährigen heimischen Wildblumen und Gräsern. Das heißt, es ist ein wenig Geduld gefragt, denn Blumenwiesen werden von Jahr zu Jahr schöner und artenreicher. Sie lieben einen sonnigen Standort und sollten möglichst selten betreten werden. 

Wildsträucher-Hecke

Hecken sind nicht nur ein praktischer Sichtschutz direkt an der Grundstücksgrenze. Solitärgehölze, Strauchgruppen und insbesondere frei wachsende Strauchhecken mit heimischen Gehölzarten bilden auch überall sonst einen wertvollen Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Im Gegensatz dazu ernähren exotische Sorten wie Kirschlorbeer, Bambus, Thuja oder Forsythie kaum Tierarten. 

Vertikalbegrünung

Fassaden und Zaunelemente lassen sich durch Kletterpflanzen begrünen. Hier finden Vögel Nahrung, etwa Beeren, Samen und Spinnen, und einen versteckten Brutplatz. Zusätzlich können diverse Nisthilfen eingebaut werden. Insekten laben sich an den Blüten der rankenden Pflanzen. Und auch wir Menschen profitieren, denn begrünte Wände binden Schadstoffe und wirken schalldämmend.

Wildstaudenbeet

Ob Sonnenplatz oder doch eher Schattenseite: Wildstaudenbeete können überall angelegt werden. Mit der richtigen Pflanzenauswahl – je nach den Standortbedingungen – sind sie nicht nur hübsche bunte Farbkleckse im Garten. Sie bieten unterschiedlichsten Insekten Nahrung und einen geeigneten Lebensraum.

Weitere Anleitungen:

Miniteich:

Wasser sorgt für ein gutes Mikroklima und bietet Lebensraum und Wasserquelle für viele Tierarten wie Libellen. Mit einem ständigen Wasserangebot helfen Sie den Arten im Garten durch die immer extremeren Sommer. Doch natürlich haben nicht alle Gärten Platz für einen großen Teich. Die Lösung: ein Miniteich! 

Naturecken:

Wenn Sie in Ihrem Garten einen Lebensraum für Vögel, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und kleine Tiere wie Igel schaffen möchten, dann lassen Sie “Naturecken” zu. Das heißt kleine – oder größere – Bereiche des Gartens, die nur wenig bearbeitet werden. Dort dürfen Brennnessel und Spitzwegerich für Schmetterlingsraupen wachsen oder Gewöhnlicher Dost, Löwenzahn und Klee für Wildbienen.

Natürliche Nisthilfen: 

Mit natürlichen Nisthilfen helfen Sie vielen Arten auf einmal. Ob alte Baumstämme, Totholzhecken, Reisighaufen oder Stängel – Totholz bietet Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren sowohl Nahrung als auch Verstecke, Nist- und Überwinterungsplätze. Genauso wichtig sind offene Bodenflächen: Fast 75 Prozent der Wildbienenarten benötigen sie, da sie im Boden brüten. 

Trockenmauer: 

Trockenmauern machen einen Garten interessant und können zur Artenvielfalt beitragen. Sie können ein Beet einfassen oder ein hängiges Gelände terrassieren. Weil die Steine nicht mit Mörtel verbunden sind, entstehen kleine Spalten und Zwischenräume. Sie bieten Lebensraum für Pflanzen, Käfer, Wildbienen, Eidechsen und andere Kleintiere. 

Wildpflanzentöpfe:

Wenn Blumentöpfe auf Wegen, Terrassen und Balkonen mit heimischen Wildpflanzen bepflanzt werden, können sie auf kleinstem Raum zu einem größeren Artenreichtum beitragen. 

Weitere Informationen

Das Einsteigerpaket

Auf 26 Seiten erhalten Sie umfassende Informationen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Biodiversitätsbausteine, die sich mit wenig Aufwand im eigenen Garten umsetzen lassen.

Naturnahe Gartenpflege

In dieser Übersicht finden Sie sowohl grundsätzliche Pflegetipps für einen naturnahen Garten als auch konkrete Pflegehinweise für unterschiedliche Bausteine wie Beet, Hecke oder Wiese.

Selbsttest

Wie viel Arten verstecken sich in meinem Garten? Wenn Sie darauf gern eine Antwort haben möchten, können Sie es mithilfe dieses Selbsttests herausfinden, wie es um die Biodiversität in Ihrem Garten steht.