Neuwied will wieder Anlaufpunkt für die Fahrgastschifffahrt auf dem Rhein werden. Und dafür verfolgt die Stadt zwei Wege: Während gemeinsam mit der Scylla AG ein Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe entsteht, soll ein zweiter Steiger künftig die Tagesausflugsschifffahrt nach Neuwied zurückbringen. Der neue „Anleger 3“ soll auf Höhe der Pfarrstraße gelegt werden und später von Reedern flexibel „gebucht“ werden können. Der Stadtrat hat nunmehr beschlossen, den Steiger für 20 Jahre zu pachten, womit die Stadtwerke (SWN) die notwendige Grundlage haben, ihn zu errichten.
Die Reaktivierung des Schiffstourismus ist Teil der Tourismus- und Vermarktungsstrategie der Stadt. „Wir wollen den Rhein wieder stärker mit unserer Stadt verbinden“, betont Oberbürgermeister Jan Einig. Doch während mit der Scylla AG für den boomenden Markt der Flusskreuzfahrten ein privater Partner gewonnen werden konnte, ließ sich für die klassische Ausflugsschifffahrt kein Investor gewinnen, der bereit war, auf eigene Kosten einen Steiger zu legen. Deshalb schaffen Stadt und Stadtwerke die Voraussetzungen jetzt selbst. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Neuwied künftig fester Bestandteil regelmäßiger Linienfahrten sein wird. Aber es gibt dann die Möglichkeit, dass Ausflugsanbieter den Steiger anmieten – zum Beispiel für besondere Arrangements oder zu besonderen Anlässen wie dem Deichstadtfest oder dem Currywurstfestival.
Rhein muss zunächst ausgebaggert werden
Bevor Schiffe an den beiden vorgesehenen Stellen anlegen können, sind allerdings Arbeiten im Rhein erforderlich. Weil über lange Zeit keine regelmäßige Fahrgastschifffahrt mehr am Neuwieder Deich angelegt hat und zunehmende Niedrigwasserereignisse berücksichtigt werden müssen, muss noch ausgebaggert werden. Das betrifft sowohl den neuen Anleger für die Tagesausflugsschifffahrt als auch den Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe, den die Scylla AG bereits hat fertigen lassen. Die erforderlichen Arbeiten sollen nun „in einem Abwasch“ durchgeführt werden. So können die Kosten geteilt werden.
Damit steht inzwischen auch fest, dass der ursprünglich für die Saison 2026 vorgesehene Kreuzfahrtanleger später in Betrieb gehen wird als geplant. Denn für die so nicht erwarteten Arbeiten im Rhein sind Genehmigungen erforderlich, für die wiederum verschiedene Untersuchungen und Gutachten nötig waren. Hinzu kommt der sehr niedrige Wasserstand des Stroms: Bei extremem Niedrigwasser können die Baggerarbeiten ebenso wenig durchgeführt werden wie bei Hochwasser.
„Natürlich hätten wir den ersten Anleger gerne schon in dieser Saison in Betrieb genommen“, sagt Einig. „Dass das nicht gelungen ist, ist ärgerlich. Entscheidend ist aber, dass wir das Ziel konsequent weiterverfolgen. Und wenn ohnehin an beiden Stellen gebaggert werden muss, ist es sinnvoll, diese Arbeiten zu bündeln und damit Aufwand und Kosten zu reduzieren.“
Ziel ist, die Baggerarbeiten möglichst noch bis Ende des Jahres durchführen zu können. Voraussetzung dafür sind geeignete Wasserstände und entsprechende Kapazitäten bei den wenigen Fachunternehmen, die solche Arbeiten mit Spezialschiffen ausführen könne