Wenn die Schule in die Ferien geht, beginnt für viele berufstätige Eltern die Organisation: Wer betreut die Kinder, während die Arbeit weiterläuft? Die Stadt Neuwied möchte Familien dabei künftig noch besser unterstützen und verlässliche Ferienangebote schaffen, die zu ihrem Alltag passen. Nachdem Neuwied bereits die Ganztagsangebote an seinen Grundschulen weiter ausbaut, nimmt die Stadt nun verstärkt die schulfreien Wochen in den Blick. Wie viel Betreuung Familien tatsächlich brauchen und was ihnen dabei wichtig ist, können Eltern von Grundschulkindern ab sofort in einer Online-Befragung mitteilen.
Mit dem neuen Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung. Seit dem Schuljahr 2026/2027 gilt er zunächst für Erstklässler und wächst in den kommenden Jahren um jeweils eine Klassenstufe. Grundsätzlich schließt der Anspruch auch die Schulferien ein, wobei bis zu vier Wochen Schließzeit pro Jahr möglich sind. Neuwied möchte sich bei der weiteren Planung jedoch nicht allein an den jeweils anspruchsberechtigten Jahrgängen orientieren, sondern von Beginn an die Bedürfnisse von Familien mit Kindern der Klassenstufen 1 bis 4 berücksichtigen.
„Wir wollen Eltern verlässliche Strukturen bieten, damit sich Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren lassen. Dazu gehört für uns nicht nur der Ausbau des Ganztags an unseren Schulen. Auch in den Ferien brauchen Familien Angebote, auf die sie sich verlassen können und in denen ihre Kinder gut aufgehoben sind“, betont Bürgermeister Peter Jung. „Dabei geht es uns nicht darum, lediglich Betreuungsplätze zu schaffen. Die Kinder sollen abwechslungsreiche Ferien erleben, die ihnen Freude machen und sie zugleich fördern.“
Dafür arbeitet die Stadt als erste und bislang einzige Kinderfreundliche Kommune in Rheinland-Pfalz eng mit freien Trägern zusammen, die bereits seit vielen Jahren Ferienangebote für Neuwieder Kinder organisieren. In der neuen AG Ferienangebote bringen die Katholische Familienbildungsstätte (FBS), die Diakonie, der Kinderschutzbund, der Ambulante Fachdienst (AFH) des HTZ, die AWO und die Informa gGmbH gemeinsam mit der Stadt ihre Erfahrungen ein. Die AG trifft sich künftig monatlich und entwickelt die bestehende Ferienlandschaft Schritt für Schritt weiter. Dabei sollen unter anderem Chancengleichheit, Teilhabe und Inklusion ebenso eine Rolle spielen wie vielfältige Freizeitmöglichkeiten für die Kinder.
Was Familien tatsächlich brauchen, sollen sie dabei selbst mitbestimmen. In der aktuellen Befragung können Eltern angeben, in welchen Ferien und zu welchen Zeiten sie eine Betreuung benötigen. Außerdem fragt die Stadt danach, was bei der Auswahl eines Angebots besonders wichtig ist, etwa die Inhalte, kurze Wege oder flexible Bring- und Abholzeiten. Je mehr Eltern teilnehmen, desto genauer kann die Stadt die künftigen Angebote auf den Alltag der Familien abstimmen. Die Befragung ist ab sofort online über www.umfrageonline.com/c/3wrkidpm erreichbar und läuft bis Ende September.
Auch die Finanzierung der künftigen Ferienangebote gehört zu den Fragen, die die Beteiligten im weiteren Prozess klären. Während der Bund den Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen fördert, gibt es für die laufenden Kosten der Ferienbetreuung im Rahmen des Ganztagsförderungsgesetzes bislang keine vergleichbare Bundesförderung. Die Angebote werden daher kostenpflichtig sein. Wie die Elternbeiträge künftig aussehen und welche Finanzierungsmodelle infrage kommen, beraten die Beteiligten deshalb noch. Dabei sollen sowohl die Qualität und Finanzierbarkeit der Angebote als auch die Möglichkeit zur Teilnahme für alle Kinder berücksichtigt werden.